stadt_politik

ist heute druckfrisch eingetroffen. alle unsere vorwürfe vollinhaltlich bestätigt. ( das tut gut, waren die arbeitsbedingungen ja zeitweise etwas schwierig; bspw. beim vermessen der bauhöhen vor ort).
das vergabegesetz wurde eindeutig gebrochen.
das unternehmen explore 5d war nicht nur nicht geeignet, sondern hatte nicht einmal eine baumeisterbefugnis. dieser tatbestand wurde vom marktamt zur anzeige gebracht und ist derzeit im strafverfahren!
die bauhöhen sind bis zu 50% überschritten.
die bauordnung wurde extrem interpretiert, viele beispiele im bericht
der fachbeirat hatte sich eindeutig gegen das projekt ausgesprochen was ohne folgen blieb.
die kostenüberschreitungen ergaben sich aus ungenauen angaben, was die stadt (prater service gmbh und vzbgm laska) überhaupt will.
die kosten sind mittlerweile doppelt so hoch als ursprünglich angenommen bei 59,7 mio euro -
allerdings kann man das nicht so genau sagen, denn zum prüfzeitpunkt waren viele punkte noch offen. die begleitende kontrolle konnte nämlich auch nicht helfen,...
das ist die schnelle kurzfassung. nächste woche donnerstag 20.11. findet die kontrollausschussitzung statt. bin schon sehr neugierig wie sich frau vzbgm diesmal wieder rauswindet,... es wird immer schwieriger!
ich hatte es befürchtet (siehe mein letzter kommentar).
die große koalition ist abgestraft worden. wir grüne haben die chance nicht genützt. mit den wahlkarten kann man von grüner stagnation sprechen - das ist deutlich zu wenig bei so einer ausgangslage.
jetzt hängt in österreich viel davon ab wer sich innerhalb der övp durchsetzt.
was mir sonst so durch den kopf geht, wir brauchen:
politische bildung
echte auseinandersetzung statt politshows
menschen die für etwas "brennen" und stehen
habe beim abgeben meines wahltipps auf :
http://wahlwette.wienfluss.net/
folgendes bemerkt. das bzö wird meiner meinung nach total unterschätzt. die werden meiner meinung nach mehr als doppelt soviel prozent bekommen wie beim letzten mal, aufgrund des souverän frechen haider statt westenthaler. das bedeutet um die 10% und gemeinsam mit den zugewinnen der anderen frustrierten bei der fpö (ich tippe auf rund 18%) besteht die möglichkeit, dass diese beiden gemeinsam die stimmenstärksten wären. wie schrecklich! wer rotschwarz nicht will und keine rechte mehrheit in diesem land, bitte am sonntag grün wählen gehen. katastrophal wäre auch, wenn bzö vor den grünen liegt....
Liebe Leserin, lieber Leser,
am 28. September entscheiden Sie, wer Österreich regiert. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen sollen? Aus Ärger über SPÖ und ÖVP? Wenn Sie weder eine Fortsetzung der Großen Koalition noch eine Regierung mit FPÖ oder BZÖ wollen, haben Sie am Sonntag eine Alternative: Grün.
Mit 15 Prozent für Grün gibt es die Chance für einen Neubeginn. Denn die Kleinparteien werden den Einzug ins Parlament nicht schaffen.
Auch die Grünen sind nicht perfekt. Der Wahlkampf sei "zu fad", heißt es. Ich stehe dazu: lieber ehrlich und sachlich als viel Lärm um nichts.
Ich will große Reformen und nicht kleinkarierten Streit.
Ich will die Grünen in die Regierung führen.
Grün in der Regierung heißt:
* Die Mitte entlasten, die Reichen besteuern
* Energiekosten halbieren, raus aus Öl und Gas
* Gleiche Chancen für Frauen
* Menschenrechte verteidigen
Die Große Koalition ist am Dauerstreit zerbrochen. Sie haben die Wahl zwischen Vizekanzler Van der Bellen oder Strache. Sie entscheiden, in welche Richtung Österreich geht.
Ihr Alexander Van der Bellen
find ich kurz, bündig und schlüssig - wer genug von den grossparteien hat, und eine konstruktive starke kraft im parlament und auch in der regierung will, kann nur grün wählen!

heute wurde im stadtsenat eine weitere finanzspritze für die misslungene praterbaustelle riesenradplatz beschlossen: 7.9 mio euro brutto - womit die projektkosten schon über 40 mio euro angenommen haben. das war der erste beschluss im zusammenhang mit dem riesenradplatz wo wir grünen zugestimmt haben, denn es geht diesmal darum den ausgleich und zumindest 40% für die beteiligten unternehmerinnen zu sichern. wir wollen nun die offenlegung der kosten, denn es ist noch immer schleierhaft, wohin die 40 mio euro bei diesem bauwerk geflossen sind? denn die am bau beteiligten unternehmerinnen fallen ja sogar um 60% um, es gibt auch schon folgeinsolvenzverfahren. frau vzbm laska ist uneinsichtig und will trotz all dem im amt bleiben. auch häupl meint, derzeit gäbe es keinen veränderungsbedarf. mitte november kommt der kontrollamtsbericht. wetten, dass frau vzbgm bis dahin nicht mehr für den prater verantwortlich sein wird?
es gibt neben den routiniers vdb, eva glawischnig-pieszeck, peter pilz und karl öllinger neue gesichter. auf platz 3 meine sehr geschätzte wiener kollegin alev korun. schade, dass wir uns in zukunft nicht mehr das büro teilen werden. spannende politische diskussionen und der herrliche lokum werden mir sehr abgehen. auf platz 5 christiane brunner, die in der burgenländischen energie-vorzeigegemeinde güssing projektkoordinatorin ist, oder viell. besser war. jetzt gerade wird helene jarmer eine beeindruckende gehörlose frau auf platz sieben gewählt. ich habe gerade gelernt, dass man hier bei guten passagen der übersetzten rede nicht klatscht (na logisch!) sondern, die hände über dem kopf wirbelt. das sieht toll aus und hilft gegen die schwüle luft im saal.
molterers satz des abends. genauso wirkt er. normalerweise verbringt er also zeit mit sesseln, bürobedarf und kleiderständern. aber jetzt, ist alles anders: menschen. er geht dorthin wo die menschen sind. eine frau hätte berichtet, es gäbe zu wenig kinderbetreuungseinsrichtungen. schau an! wer hätte das gedacht ???
wieso ist er so beherrscht, selbst wenn strache ihn bis aufs blut reizt. lange sätze, emotionslos - so kann man keine wahl gewinnen.
strache wie immer. testosteron, einfache message, aalglatt.
wen wundert da politikverdrossenheit?
die spö will offensichtlich wieder "bürgernäher" erscheinen. deshalb leserbrief schreiben, wie jedeR andere bürgerIn auch, statt einer bezahlten anzeige oder einer medienkooperation a la faymann (wohnkurier bis öbbkampagne). der wiener bürgermeister zieht das volk feudal am ohrwaschl, er wirkt müde und wird immer launiger. wie wärs mit raus aus den dienstwägen und öffi fahren in wien oder bahnfahren in österreich? da würden häupl und faymann schnell sehen, dass hier handlungsbedarf besteht. die bahnsteige äusserst eng, die waggons der öbb oft überfüllt, unpünktlich und die öffis in wien zur fussballeuropameisterschaft deutlich besseren service bieten konnten. warum nicht immer? warum nicht wirklich bürgerInnennah?
herrlich auf den punkt gebracht und einige gründe warum ich in wien politisch arbeite...
"Falter" Nr. 27/08 vom 02.07.2008 Seite: 6
Von: Dietmar Steiner
Verweigerte Moderne
Was ist eine wirklich seltene Stadt? Eine Stadt ohne Brücke von Santiago Calatrava. Rund 30 andere Städte haben schon eine. Planungsstadtrat Rudolf Schicker hat nun entschieden, auch Wien mit einem Kitschmonster des spanischen Architekten Calatrava zu verschönern, jenes Zauberers, den alle, die keine Ahnung von Architektur und Konstruktion haben, für einen genialen Architekten
halten. Aber es ist keine wirkliche Katastrophe. Wien hält das aus. Die Wiener wird's freuen, Stadtrat Schicker wird sich ihrer mehrheitlichen Zustimmung erfreuen dürfen, wenn einmal Calatravas Brücken-"Skulptur" die Triester Straße markiert. Und ein eloquenter Kunsthistoriker, Wilfried Seipel vielleicht, der
seine überflüssige Calatrava-Vogelkadaver-Schau im Kunsthistorischen Museum einst damit begründete, er habe diese nur gemacht, weil das Architekturzentrum Wien diesem "Genie" nicht den nötigen unterwürfigen Tribut zu zollen bereit gewesen sei, wird dann möglicherweise sogar eine kunsthistorische Verbindung
von Calatravas Brücke zur Spinnerin am Kreuz herstellen können. Stichwort: "Neoneogotik" im elaborierten Las-Vegas-Stil.
Es spielt auch keine Rolle, jedenfalls will ich nicht beurteilen, ob die Direktvergabe an Calatrava rechtens ist oder nicht. Es würde mich aber wundern, wenn die Stadt Wien nicht intelligent genug wäre, wie schon bei der letztlich geglückten Wiener Messe oder dem katastrophalen Pratereingang, irgendeine "von der Stadt unabhängige" Institution oder Firma vorzuschalten, die dann die Verantwortung für zu erwartende Kostenexplosionen und Konkurse
übernimmt. Schließlich hat die nicht einmal behindertengerechte neue Fußgängerbrücke Calatravas in Venedig schlicht das Doppelte des veranschlagten Budgets verschlungen. Und seine Fußgängerbrücke in Bilbao musste umgebaut werden, weil einfach zu viele Unfälle stattfanden. Calatravas Klage gegen die Stadt Bilbao auf Unveränderbarkeit seines "Kunstwerks" wurde vom Gericht kühl abgewiesen: Eine Brücke ist kein Kunstwerk. Es ist also wohl nur in Wien eine "Kunst", eine Brücke zu bauen. Aber vielleicht sollte Schicker aus einem Gespräch des Architekten Jacques Herzog mit dem chinesischen Künstler Ai Wei Wei zitieren: Architektur ist die Bewegung vom Nutzlosen zum Nützlichen und Kunst die Bewegung vom Nützlichen zum Nutzlosen.
Die eigentliche kulturpolitische, stadtplanerische und architektonische Katastrophe ist aber, dass die Stadt Wien gleichzeitig mit der Beauftragung der Calatrava-Brücke einem ökonomisch nicht begründbaren Teilabriss der "Stadt des Kindes" von Anton Schweighofer zustimmt. Für jene, die es noch nicht
wissen: Die "Stadt des Kindes" machte sich die Stadt Wien selbst zum Geschenk, um anlässlich des 50. Geburtstages der Republik 1969 bis 1974 an der westlichen Wiener Stadteinfahrt ein Ensemble zu errichten, das die Idee der Kinderdörfer in eine urbane Struktur zu übersetzen hatte. Schweighofers Konzept der "Stadt in der Stadt" wurde zu einem international gefeierten
Beispiel der Architektur und ist heute ein sichtlich verdrängtes
kulturpolitisches Symbol für eine mutige sozialpolitische Vision der Wiener Sozialdemokratie. 2002 wurde das Heim geschlossen und in einer Ausschreibung nach neuen Nutzungen gesucht. Nach einer folgenden komplizierten Planungsgeschichte gibt es heute von den Architekten Stelzhammer, Lindner, Weber ein überzeugendes und intelligentes Konzept und einen Entwurf der
Neunutzung der "Stadt des Kindes" für geförderte Wohnungen unter Wahrung der bedeutenden historischen Konzeption. Es könnte so ein Pilotprojekt für die komplexe und schwierige Aufgabe der Sanierung der Nachkriegsmoderne werden,
eine der wichtigsten Aufgaben zeitgenössischer Architektur.
Doch trotz aller Unterstützungen von Wohnbaustadtrat Ludwig und der Wohnbauförderung liegen die Kalkulationen des Bauträgers noch immer um fünf Prozent (!) über den förderbaren Kosten, weshalb drei der fünf Wohnhäuser der "Stadt des Kindes" abgerissen und neu gebaut werden sollen. Und warum? Weil die "Stadt des Kindes" auch Sozial- und Kultureinrichtungen wie ein Schwimmbad und einen Mehrzwecksaal beinhaltet, die aufwendig wiederhergestellt und dem ganzen Bezirk zu Recht zur Verfügung gestellt werden sollen. Warum diese Kosten in der Summe der Sanierung und des Neubaus der Wohnbauten untergebracht
und letztlich von den künftigen Bewohnern bezahlt werden sollen, ist nicht nachvollziehbar. Denn eigentlich ist dafür in Wien Stadträtin Laska und nicht der Wohnbaustadtrat zuständig. Natürlich haben, scheinbar, der jenseitige Pratereingang, die kitschige Calatrava-Brücke und die immer noch mögliche
Rettung der "Stadt des Kindes" mit einem zukunftsweisenden architektonischen Konzept nichts miteinander zu tun. Ideologisch aber sehr wohl. All das zeigt tiefstes provinzielles Kulturbewusstsein, das sich keinen Zentimeter mehr vom
Boulevard erheben will. Die Stadt Wien opfert ein einzigartiges
sozialpolitisches Symbolbauwerk ihrer eigenen Nachkriegsgeschichte aufgrund von derzeit fünf Prozent erwartbaren Mehrkosten zugunsten unkalkulierbarer
populistischer Spektakel. Es ist höchste Zeit, dass sich die Wiener
Sozialdemokratie ihrer eigenen kulturellen und ideologischen Wurzeln besinnt. Oder findet nach dem Austrofaschismus, dem Nationalsozialismus nun eine heutige neuerliche Vertreibung oder Verweigerung der emanzipatorischen Moderne durch die Sozialdemokratie selbst statt ? Das Schicksal der "Stadt des Kindes" ist somit keine ökonomische, keine architekturhistorische, es ist eine politische Frage, an der sich die Wiener Stadtpolitik messen wird müssen.
Dietmar Steiner ist Direktor des Architektur Zentrums Wien.